Unsere Umgebung definiert unser Verhalten.

Wir leben alle in der gleichen Welt, aber jeder hat eine eigene Landkarte. Trotz der Tatsache, dass jeder Mensch ein absolutes Unikat und Individuum darstellt, haben Menschen erstaunlich triviale Gemeinsamkeiten.

Eine dieser Gemeinsamkeiten ist das Phänomen, dass das Verhalten von Menschen jenseits ihrer Selbst- und Weltwahrnehmung extrem davon beeinflusst wird, wie die Kontexte beschaffen sind. Das klingt im ersten Moment trivial. Selbstverständlich reagieren Menschen positiv auf ein freundliches Umfeld und negativ auf ein eher unfreundliches Umfeld. Lächelnde hilfsbereite Menschen in meiner Umgebung haben ein anderes Verhalten zur Folge als Personen, die negativ und destruktiv handeln. Aber welche Macht unsere Umwelt unser Wohlbefinden hat und welche Kräfte dadurch freigesetzt werden können, wird im Allgemeinen stark unterschätzt.

Eine Psychologin in USA, Ellen Langer, wollte in einem Experiment im Jahr 1979 näher untersuchen, welchen Einfluss die Lebensumstände auf das Verhalten und Wohlbefinden von Menschen haben.

Wir schreiben das Jahr 1959, sie sind alle 20 Jahre jünger.

Ellen Langer suchte sich eine Gruppe von Senioren im Alter von 70 bis 80 Jahren. Für dieses Experiment wurde ein Seniorenheim aus den 50 iger Jahren so verändert, dass jedes Detail den Eindruck erweckte, man befindet sich im Jahr 1959. Angefangen vom Geschirr, über die Bettwäsche, TV- und Radiogeräte sowie die Sendungen, die zu empfangen waren. Selbst die Passfotos in den Ausweisen wurden verändert und auf das Jahr 1959 angepasst.

Die Probanden zogen in dieses Seniorenheim ein und schon nach einem Tag konnte das Wissenschaftlerteam erstaunliche Veränderungen registrieren.

Jünger, fitter, gesünder und schöner

Die Senioren wurden beweglicher, zwei von drei Teilnehmern verbesserten ihre Ergebnisse bei IQ Tests, die Gesichter wirkten jünger und frischer (was durch vorher nachher Fotografien dokumentiert wurde). Kurzum - die Senioren erlebten auf allen Ebenen eine sichtbare Verjüngungskur.

Doch die Veränderungen waren nicht nur sichtbar, sondern auch medizinisch messbar. Die positiven Effekte waren nachweisbar bis auf molekulare Ebene wie Untersuchungen der Zellen ergeben haben.

Context defines content

Dieses Experiment zeigt nicht nur eindrucksvoll wie stark Menschen auf ihre Lebensumstände reagieren, sondern auch wie ausschlaggebend unsere Gedanken und unser Selbstbild für unser seelisches und körperliches Wohlbefinden sind.

Übertragen auf die Welt der Arbeit bedeutet diese Erkenntnis, dass die Leistungsfähigkeit von Teams in erheblichem Maße davon abhängt, wie sich Menschen in ihrer Arbeitsumgebung fühlen. Jede Maßnahme, die dazu beiträgt, dass die Umgebung freundlicher, stimulierender und positiver ist, wird sich unmittelbar auf die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern auswirken. Während Manager fokussiert sind auf harte Fakten, die sie begreifen und in Exceltabellen stopfen können, sind die weichen Faktoren die wahren Performanceindikatoren, keinerlei monetäre Investition erfordern, sondern lediglich ein ganzheitlicheres Verständnis des Themas Mensch und Umwelt.

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